Biofeedback Therapie: Ein Weg zu mehr Kontrolle über den Körper

Zuletzt aktualisiert am 13. Februar 2023 von Andrea Meurer

Im Biofeedback werden verschiedene körperliche Prozesse aufgezeichnet und beobachtet. Die Methode hat zum Ziel, Reaktionen des Körpers bewusst zu beeinflussen. Auf diese Weise können beispielsweise Stressreaktionen, Verspannungen und Schmerzen allein durch gezielte Verhaltensänderungen reduziert werden.

Biofeedback erfreut sich aufgrund seiner hohen Effektivität zunehmender Beliebtheit. Die Therapiemethode wird heutzutage nicht nur zur Behandlung zahlreicher körperlicher und psychischer Erkrankungen, sondern auch zur Leistungssteigerung eingesetzt.

Biofeedback: Die wichtigsten Informationen im Überblick

  • Biofeedback ist eine Therapiemethode der Verhaltensmedizin.
  • Biofeedback wird zur Behandlung zahlreicher Beschwerden und Erkrankungen wie chronischem Stress, Schmerzen, Verspannungen, Depressionen und Angstzuständen eingesetzt.
  • Im Biofeedback werden sogenannte Biofeedbackgeräte eingesetzt, die verschiedene Körperfunktionen aufzeichnen.
  • Durch die Analyse der Körperfunktionen hat der Patient die Möglichkeit, genaue Einblicke in die Reaktionen seines Körpers zu gewinnen.
  • Durch verschiedene Methoden und Techniken können körperliche Reaktionen gezielt kontrolliert und optimiert werden.
  • Ziel der Behandlung besteht darin, verschiedene Körperreaktionen im Alltagsleben zu optimieren.
  • Da es sich um eine nicht-invasive Methode handelt, ist die Behandlung mit keinerlei Risiken oder Nebenwirkungen verbunden.

Was ist Biofeedback?

Bei Biofeedback handelt es sich um eine Therapiemethode, die zur Behandlung von körperlichen und psychischen Beschwerden und Erkrankungen eingesetzt wird. Im Rahmen der Therapie werden verschiedene Körperfunktionen wie beispielsweise der Blutdruck, die Herzrate, die Atmung, die Muskelaktivität und die Hirnströme gemessen.

Da die Körperwahrnehmung und die aktive Mitarbeit des Patienten beim Biofeedback im Mittelpunkt stehen, zählt die Methode zur Verhaltensmedizin. Der Patient erlernt dabei, die Gesundheit seines Körpers eigenständig zu optimieren. Ziel der Behandlung besteht darin, die im eigenen Körper ablaufenden Prozesse bewusst wahrzunehmen und gezielt zu beeinflussen.

Als Hilfsmittel werden sogenannte Biofeedbackgeräte genutzt, die ein Feedback, also eine Rückmeldung über körperliche Prozesse auf einem Bildschirm darstellen. Diese sind in der Lage, selbst sehr kleine Veränderungen im Organismus zu registrieren. Durch die Präsentation der gemessenen Daten sollen gezielte Veränderungen im Verhalten des Patienten ausgelöst werden, die auf lange Sicht auch ohne Einsatz der Instrumente andauern sollen.

Die Messung der verschiedenen Körperfunktionen findet in den meisten Fällen in einer entsprechenden Praxis oder im Krankenhaus statt. Daneben gibt es tragbare Biofeedbackgeräte, die der Patient auch im eigenen Zuhause einsetzen kann.

Die Anwendungsgebiete von Biofeedback

Im Rahmen des Biofeedbacks können zahlreiche verschiedene Sensoren eingesetzt werden. Aus diesem Grund eignet sich die Therapiemethode zur Behandlung zahlreicher verschiedener physischer sowie psychischer Beschwerden. Biofeedback wird in den Bereichen Psychologie und Psychotherapie, Psychosomatik und Schmerztherapie sowie im Coaching angewandt.

Biofeedback wird mittlerweile unter anderem zur Behandlung folgender Erkrankungen eingesetzt:

  • Muskelverspannungen
  • chronische Rückenschmerzen
  • Migräne und Spannungskopfschmerzen
  • Inkontinenz
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Epilepsie, Krampfanfälle
  • Schlafstörungen
  • Tinnitus
  • Burnout

Wie funktioniert die Biofeedback Therapie?

Da Biofeedback die aktive Mitarbeit des Patienten erfordert, wird häufig auch von Biofeedback-Training gesprochen. Die Methode erfordert zudem den Einsatz von verschiedenen technischen Geräten.

Über die sogenannten Biofeedbackgeräte werden verschiedene Funktionen gemessen, die unbewusst im Körper ablaufen. Welche Geräte dabei eingesetzt werden, hängt von den individuellen Bedürfnissen und Beschwerden des jeweiligen Patienten ab.

In den meisten Fällen werden Sensoren, die über ein Kabel mit einem Computer verbunden sind, direkt am Körper des Patienten angebracht. Die Messergebnisse werden unmittelbar über einen Computerbildschirm rückgemeldet. Der Patient ist dadurch in der Lage, seine körpereigenen Aktivitäten in Echtzeit zu verfolgen.

Falls der Patient während der Behandlung beispielsweise eine Stresssituation erlebt, kann er typische Stressreaktionen des Körpers wie den Anstieg des Blutdrucks und der Körpertemperatur über den Bildschirm verfolgen. So ist es möglich, den Zusammenhang zwischen äußeren Einflüssen sowie körperlichen und psychischen Reaktionen besser zu verstehen. Dieses Verständnis bildet die Basis dafür, bei zukünftigen Stressreaktionen aktiv Einfluss auf das Verhalten des Körpers zu nehmen.

Gezielte Beeinflussung der körperlichen Reaktionen

Die Methode ermöglicht dem Patienten, Einsicht in unbewusst ablaufende körperliche Prozesse zu gewinnen. Weiterhin ermöglicht Biofeedback, diese Prozesse durch gezielte Gedanken und Vorstellungen oder andere Techniken aktiv zu beeinflussen. Der behandelnde Arzt oder Therapeut hilft dem Patienten dabei, das Feedback zu verstehen und die körperlichen Reaktionen zu optimieren.

Der Therapeut empfiehlt dem Patienten beispielsweise bestimmte Entspannungsübungen, die künftige Stressreaktionen lindern sollen. Auf diese Weise soll es möglich sein, die gemessenen Werte aktiv zu beeinflussen, um Beschwerden und Krankheitsbilder zu reduzieren. Insbesondere stressbedingte und psychosomatische Symptome können auf diese Weise signifikant reduziert werden.

Durch die unmittelbare Rückmeldung durch den Computerbildschirm kann der Patient zudem schnell erkennen, welche Strategien die gewünschten Ergebnisse erzielen. Sobald die passende Methode erkannt wurde, wird erlernt, diese auch im Alltagsleben anzuwenden.

Ablauf einer Biofeedback-Behandlung

Der Ablauf einer Biofeedback-Behandlung unterscheidet sich je nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Dennoch erfolgen die meisten Behandlungen einem ähnlichen Schema.

In der Regel wird in der ersten Sitzung zunächst das Prinzip des Biofeedbacks erklärt. Zudem wird dem Patienten mittels einfacher Darstellungen vor Augen geführt, wie sein Körper auf Stress reagiert.

Das Stressprofil

Während der ersten Biofeedback-Sitzung wird in den meisten Fällen ein Stresstest durchgeführt. Dieser wird auch als Stress- und Erholungsprofil bezeichnet. Dabei durchläuft der Patient abwechselnd Phasen der Anstrengung und der Erholung. Währenddessen werden die verschiedenen Reaktionen des Körpers gemessen.

Durch das Stressprofil kann ermittelt werden, welches Körpersystem verstärkt auf Stress reagiert. Zudem wird überprüft, welche Aktivitäten besonders ausgeprägte Stress- oder Entspannungsreaktionen bewirken. Der Test gibt sowohl dem Patienten, als auch dem Therapeuten wichtige Anhaltspunkte für die darauffolgende Behandlung.

Die darauffolgende Behandlung

Auf Basis des Stressprofils wird ein individueller Trainingsplan für das folgende Biofeedback-Training erstellt. Durchschnittlich absolviert ein Patient, in Abhängigkeit von seinen Beschwerden, zwischen 4 und 18 Sitzungen.

Während der Sitzungen sitzt der Patent in der Regel in einem Sessel und beobachtet seine Körperfunktionen auf einem Bildschirm. Durch verschiedene Methoden wie Atemübungen oder Vorstellungen versucht er, diese gezielt zu beeinflussen. Anschließend erfolgt ein Gespräch mit dem behandelnden Therapeuten.

Der Patient soll lernen, seinen Organismus auch ohne die Hilfestellung des Therapeuten und die Rückmeldung der Geräte bewusst zu beeinflussen. Sobald er dieses Ziel erreicht hat, gilt die Behandlung als beendet. Einige Monate nach Abschluss der Therapie können einzelne Sitzungen durchgeführt werden, in denen der Erfolg kontrolliert wird.

Die wichtigsten Parameter des Biofeedbacks

Im Rahmen des Biofeedbacks werden zahlreiche verschiedene körperliche Funktionen erfasst. Zu den wichtigsten Parametern zählen:

  • Hautleitwert
  • Körpertemperatur
  • Atmung
  • Muskelspannung
  • Durchblutung
  • Herzratenvariabilität
  • Neurofeedback (EEG)

Der Hautleitwert

Die Messung des Hautleitwerts ist insbesondere von Lügendetektoren bekannt. Da die Hände bei Stress in der Regel zu schwitzen beginnen, eignet sich der Hautleitwert als Indikator für Stress und Entspannung,. Patienten, die häufig Stress empfinden, können erlernen, ihren Hautleitwert gezielt zu senken, um die Entspannung zu fördern.

Aufgrund seiner sensiblen Reaktion und seiner präzisen Ergebnisse wird der Hautleitwert häufig zu Beginn der Biofeedback-Therapie eingesetzt. So haben Patienten die Möglichkeit, sich mit den Mechanismen der Behandlungsmethode vertraut zu machen.

Die Körpertemperatur

Ähnlich wie der Hautleitwert gilt die Körpertemperatur, insbesondere die Temperatur der Hände, als guter Indikator für Stress und Entspannung. Bei Stressreaktionen steigt die Temperatur in den meisten Fällen an. Im Vergleich zum Hautleitwert reagiert die Temperatur jedoch etwas langsamer.

Auch mithilfe der Körpertemperatur ist es dem Patienten möglich, Stressreaktionen zu reduzieren und die Entspannung zu fördern. Die Temperatur der Hände kann beispielsweise durch gezielte Vorstellungen beeinflusst werden.

Die Atmung

Stresssituationen, Angstzustände und andere psychosomatische Beschwerden werden häufig von einer flachen Atmung begleitet. Im Rahmen des Atemtrainings wird in der Regel eine langsame und tiefe Bauchatmung trainiert, die das Wohlbefinden und die Entspannung fördern soll.

Die Atmung wird mithilfe eines Gurtes oder eines Infrarotsensors erfasst. Da die Atmung bewusst kontrollierbar ist, können die meisten Patienten durch deren Messung und gezielte Steuerung besonders schnelle Erfolge erzielen.

Die Muskelspannung

Da zahlreiche Menschen unter einer verspannten Muskulatur leiden, kommt die Erfassung der Muskelspannung im Rahmen der Biofeedback-Therapie besonders häufig zum Einsatz. Eine chronische Überspannung der Muskeln hat häufig Schmerzen zu Folge. Ziel des Trainings ist somit eine Verringerung der Muskelspannung und eine Reduzierung der damit zusammenhängenden Schmerzen.

Daneben kann die Erfassung der Muskelspannung genutzt werden, um eine geschwächte Muskulatur zu kräftigen. Durch gezieltes Training des Beckenbodens kann Beschwerden wie Erektiler Dysfunktion oder Inkontinenz entgegengewirkt werden.

Die Durchblutung (Vasokonstriktion)

Im Rahmen des sogenannten Vasokonstriktionstrainings erlernt der Patient, die Durchblutung der Schläfenarterie bewusst zu beeinflussen. Diese Methode wird insbesondere zur Behandlung von Migräne eingesetzt. Der Patient soll dabei lernen, Migräneattacken gezielt zu stoppen.

Um die Durchblutung der Schläfenarterie zu messen, wird ein entsprechender Sensor am Kopf angebracht, der die Weite der Arterie misst. Hierzu wird ein Lichtsignal ausgesandt, welches in Form eines Rings reflektiert wird. Je kleiner dieser Ring erscheint, desto enger ist die Schläfenarterie.

Die Herzratenvariabilität

Ein gesunder Herzschlag zeichnet sich durch einen leicht unregelmäßigen Rhythmus aus. Unregelmäßigkeiten im Rhythmus entstehen durch verschiedene innere und äußere Einflüsse wie die Atmung und Emotionen. Der Herzschlag passt sich also an verschiedene Umwelteinflüsse an.

Bei vorliegenden Beschwerden wie Depressionen oder chronischem Stress ist das Herz häufig nicht in der Lage, seinen Rhythmus an verschiedene Einflüsse anzupassen. Im Rahmen des Biofeedbacks kann die Herzratenvariabilität trainiert werden, um Herzschlag, Atmung und Emotionen wieder in Einklang zu bringen.

Neurofeedback (EEG)

Bei Neurofeedback handelt es sich um eine spezielle Unterkategorie des Biofeedbacks. Dabei werden Gehirnaktivitäten gemessen und anschließend gezielt beeinflusst. Neurofeedback wird nicht nur zur Behandlung von Erkrankungen wie ADHS, sondern auch zur Leistungssteigerung im Sport angewandt.

Die häufigste Anwendungsart des Neurofeedbacks ist das Frequenzbandtraining. Dabei erlernt der Patient, die Aktivität verschiedener Frequenzbänder gezielt zu beeinflussen. Die Bänder stehen für verschiedene Zustände:

  • Beta-Band: Aktivität, Aufmerksamkeit
  • Alpha-Band: Entspannung oder Meditation
  • Theta-Band: Tagträumerei, Schläfrigkeit oder Meditation

Risiken und Nebenwirkungen von Biofeedback

Derzeit sind keinerlei Risiken und Nebenwirkungen von Biofeedback bekannt. Die Behandlung wird mit nicht-invasiven Messgeräten durchgeführt. Das Verfahren eignet sich deshalb auch für Kinder und schwangere Frauen.

Dennoch sollte beachtet werden, dass Biofeedback eine ärztliche Therapie in den meisten Fällen nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen kann. Zudem sollten Interessierte bedenken, dass sie selbst für den Erfolg der Behandlung verantwortlich sind. Biofeedback erfordert ein hohes Engagement und die aktive Mitarbeit des Patienten.

Zusammenfassung

Biofeedback-Therapie ist eine Form der Verhaltenstherapie, die darauf abzielt, Menschen dabei zu helfen, ihre körperlichen Funktionen bewusst wahrzunehmen und zu kontrollieren. Dies kann dazu beitragen, Stress und Schmerzen zu reduzieren, sowie bestimmte körperliche Funktionen zu verbessern.

In der Biofeedback-Therapie werden spezielle Technologien eingesetzt, um physiologische Signale des Körpers zu messen, wie z.B. Herzfrequenz, Hauttemperatur, Muskelspannung oder Gehirnströme. Diese Messwerte werden dann visuell oder akustisch dargestellt, so dass der Patient sie bewusst wahrnehmen und kontrollieren kann.

Eine Vielzahl von Studien hat die Wirksamkeit der Biofeedback-Therapie untersucht. Einige Studien haben gezeigt, dass Biofeedback eine wirksame Methode zur Reduzierung von Stress, Angstzuständen, Kopfschmerzen, Migräne und Schmerzen bei bestimmten Erkrankungen, wie z.B. Fibromyalgie oder Rückenschmerzen, sein kann. Andere Studien haben gezeigt, dass Biofeedback eine wirksame Methode zur Verbesserung von Funktionsstörungen wie Blasen- oder Darmstörungen sein kann.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Ergebnisse der Studien in Bezug auf die Wirksamkeit der Biofeedback-Therapie unterschiedlich ausgefallen sind und dass weitere Forschungen erforderlich sind, um die genauen Wirkmechanismen zu verstehen und die Wirksamkeit zu bestätigen.

In jedem Fall ist es wichtig, dass Biofeedback von einem qualifizierten Therapeuten durchgeführt wird, um sicherzustellen, dass es sicher und effektiv angewendet wird.

  • Was ist Biofeedback?
    • Biofeedback ist eine Therapiemethode, die es dem Patienten ermöglicht, bewusst auf physiologische Funktionen seines Körpers zu reagieren und zu kontrollieren.
  • Wie funktioniert Biofeedback?
    • Biofeedback nutzt Messgeräte, um Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Muskelspannung, Hauttemperatur und Gehirnwellen zu überwachen.
    • Der Patient erhält sofortige Rückmeldung über seine Körperreaktionen und kann diese durch gezieltes Üben und Training verbessern.
  • Anwendungsbereiche von Biofeedback
    • Biofeedback wird hauptsächlich bei Stress- und Schmerzmanagement, sowie bei der Behandlung von Angststörungen, Bluthochdruck, Migräne und anderen chronischen Bedingungen eingesetzt.
  • Wie effektiv ist Biofeedback?
    • Biofeedback ist eine wirksame Methode zur Verbesserung von körperlichen und mentalen Funktionen.
    • Studien haben gezeigt, dass Biofeedback bei vielen Bedingungen eine positive Wirkung hat und eine Alternative oder Ergänzung zu herkömmlichen Therapien sein kann.
  • Vorteile von Biofeedback
    • Biofeedback ermöglicht es dem Patienten, bewusst Kontrolle über seine Körperfunktionen zu gewinnen.
    • Biofeedback ist non-invasiv und ohne Nebenwirkungen.
    • Biofeedback fördert die Selbstheilungskräfte des Körpers.
  • Nachteile von Biofeedback
    • Biofeedback kann teuer sein und ist nicht immer von Krankenkassen erstattet.
    • Es kann Zeit brauchen, bis sich signifikante Veränderungen einstellen.
  • Fazit
    • Biofeedback ist eine sichere und wirksame Methode, um Körper- und Geistfunktionen zu verbessern. Es kann eine wertvolle Ergänzung zu herkömmlichen Therapien sein und den Patienten dabei unterstützen, Kontrolle über seine Körperfunktionen zu erlangen.

Quellen