PRP-Behandlung: Eigenbluttherapie als Hilfe für die orthopädische und ästhetische Medizin

Zuletzt aktualisiert am 13. Februar 2023 von Andrea Meurer

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Eigenbluttherapie ist eine alternative Heilmethode, die davon ausgeht, dass das eigene Blut für die Behandlung von Beschwerden genutzt werden kann.
  • Dabei wird eine kleine Menge Blut aus dem Körper entnommen und nach einer bestimmten Vorgehensweise weiterverarbeitet, bevor es dem Patienten wieder injiziert wird.
  • Die Eigenbluttherapie wird häufig bei Beschwerden wie Arthritis, chronischen Schmerzen, Entzündungen und Depressionen angewendet.
  • Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass die Eigenbluttherapie eine wirksame Therapieoption ist.
  • Viele Ärzte und Wissenschaftler betrachten die Eigenbluttherapie als unsichere und wenig effektive Behandlungsmethode, die möglicherweise mit Risiken verbunden ist.
  • Es wird empfohlen, vor einer Eigenbluttherapie einen Arzt zu konsultieren, um die möglichen Risiken und Vorteile abzuwägen und sicherzustellen, dass es für die individuelle Gesundheitssituation geeignet ist.

Der menschliche Körper ist darauf ausgelegt, Beschwerden bekämpfen zu können. Wunden heilen beispielsweise zu. Er ist deshalb bei vielen Problemen die beste Hilfe, um uns von unseren Leiden zu befreien.

Die Eigenbluttherapie bzw. PRP macht sich genau diesen Umstand zunutze. Sie zielt darauf ab, die Selbstheilkräfte des Körpers in einer Weise zu stimulieren, die es ihm ermöglicht, eine Vielzahl von Krankheitsbildern und kosmetischen Mängeln zu bekämpfen.

Was ist PRP bzw. die Eigenbluttherapie?

Die Abkürzung PRP steht für “Plättchen-reiches Plasma” und beschreibt eine innovative Therapie, die der Stärkung der Selbstheilungskräfte des Körpers dient. Sie zählt deshalb zur sogenannten “regenerativen Medizin”.

Der Prozess besteht darin, das Blut des Patienten zu entnehmen, es zu zentrifugieren und das Plättchen-reiche Plasma auf diese Weise abzutrennen. Es wird anschließend dem Patienten in den betroffenen Körperbereich injiziert.

Dieses Plasma enthält eine Konzentration von Thrombozyten, die viele Wachstumsfaktoren beinhalten, die für die Heilung und Regeneration des Gewebes benötigt werden. Es wird daher häufig in der ästhetischen Chirurgie verwendet, um Falten und andere Zeichen der Hautalterung zu reduzieren, und auch bei orthopädischen Erkrankungen oder Verletzungen, um Entzündungen und Schmerzen zu lindern.

Was ist Plasma?

Blutplasma ist eine klare, gelbliche Flüssigkeit, die das Blutserum enthält. Es macht etwa 55% des Blutvolumens aus und besteht aus Wasser, Proteinen, Hormonen, Enzymen, Antikörpern und anderen Substanzen.

Plasma hilft, Flüssigkeit im Körper zu regulieren und Nährstoffe, Sauerstoff und Abfallprodukte zu transportieren. Es ist auch ein wichtiger Bestandteil der Blutgerinnung und des Immunsystems.

Plasma wird nicht nur bei PRP, sondern auch bei einer Vielzahl von anderen medizinischen Behandlungen verwendet. Da es einen derart großes Anteil des gesamten Blutvolumens ausmacht, ist bei PRP die Rede von der Eigenbluttherapie, obwohl es strenggenommen eine Eigenplasmabehandlung ist.

Was sind Blutplättchen?

Blutplättchen, auch als Thrombozyten bekannt, sind kleine Zellen, die in unserem Blut zirkulieren und eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung spielen. Sie sind etwa ein Drittel der Größe eines roten Blutkörperchens und werden hauptsächlich in der Milz produziert.

Sie halten die Blutung nach einer Verletzung an, indem sie Gerinnungsfaktoren freisetzen und ein Netzwerk aus Fibrin bilden, das das Blut stoppt. Niedrige Blutplättchenzahlen können zu Blutungen führen, während erhöhte Plättchenzahlen zu einer erhöhten Thromboseneigung führen können. Dies bedeutet, sie können Blutgerinsel verursachen.

Was hat es mit dem Beinamen “Vampir-Lifting” auf sich?

Im Bereich der ästhetischen bzw. kosmetischen Medizin wird der Einsatz von PRP gelegentlich auch als “Vampir-Lifting” bezeichnet. Dieser etwas merkwürdig anmutende Spitzname rührt daher, dass es um Eigenblut geht – und dieses steht von Vampiren bekanntlich hoch im Kurs.

Anwendungsbereiche von PRP bzw. der Eigenbluttherapie

PRP soll als Therapie bei den folgenden Problemen helfen:

  • Haarverlust (insbesondere bei Männern)
  • Sehnenverletzungen (beispielsweise der sogenannte “Tennisarm” oder in den Knien)
  • Osteoarthritis (Verletzungen von Knochen sind auf umliegende Gelenke übergegangen)
  • Akutverletzungen (beispielsweise durch den Sturz)
  • Verletzungen durch Operationen (Chirurgen mussten beispielsweise Sehnen durchtrennen, die durch die Eigenbluttherapie schnell wieder zusammenwachsen sollen)
  • Verletzungen der Muskulatur und des inneren Bewegungsapparats (z.B. Bänderrisse)
  • Handverletzungen (insbesondere Probleme mit den Sehnen)
  • chronische Schmerzen (z.B. im Bereich des unteren Rückens)

Die Liste ist nicht vollständig, sondern ließe sich noch beträchtlich fortsetzen. Sie zeigt aber bereits so, welche breiten Anwendungsbereiche es für Eigenblutbehandlungen gibt.

Eigenbluttherapie bei Haarverlust

Die Eigenbluttherapie ist eine alternative Methode, die bei Haarausfall angewendet werden kann. Bei dieser Methode wird eine geringe Menge Blut aus dem Körper des Patienten entnommen und anschließend in die Kopfhaut injiziert. Diese Injektion soll dazu beitragen, dass das eigene Blut die Haarwurzeln stärkt und den Haarverlust reduziert. Die Methode ist als sicher und schmerzfrei angesehen, aber es gibt nur begrenzte wissenschaftliche Beweise für ihre Wirksamkeit bei Haarausfall.

Eigenbluttherapie für die Knie

Die Eigenbluttherapie kann bei Beschwerden im Kniebereich angewendet werden. Dabei wird eine geringe Menge an Blut aus dem Körper entnommen und dann an den betroffenen Bereich injiziert. Dies kann helfen, das körpereigene Abwehrsystem zu stimulieren und den Heilungsprozess zu beschleunigen. Die Eigenbluttherapie wird oft bei chronischen Beschwerden und Verletzungen angewendet, insbesondere bei Gelenkschmerzen und Entzündungen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Therapiemethode nicht von wissenschaftlichen Studien bestätigt wurde.

Vor- und Nachteile einer Eigenbluttherapie bzw. PRP

PRP bietet viele Vorteile für Patienten. Zunächst einmal ist es eine schonende und sichere Therapieform, da keine externen Substanzen zum Einsatz kommen müssen. Es ist daher auch eine natürliche Behandlung, da sie das eigene Blut des Patienten verwendet. Dies bedeutet, dass es weniger Nebenwirkungen gibt als bei anderen Therapieformen – in der Regel ist mit überhaupt keinen Nebenwirkungen zu rechnen.

Bezüglich der Nachteile gilt: Es kann sein, dass mehrere Sitzungen nötig sind, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Dies verursacht zusätzliche Kosten. Möglicherweise ist das Verfahren auch nicht derart effektiv wie erhofft. Überdies lassen sich nicht alle Probleme durch PRP beheben.

Die Vorteile von PRP in der Übersicht

  • keine toxischen Stoffe
  • keine Verwendung von synthetischen Zusätzen
  • kein Risiko für allergische Reaktionen
  • einsetzbar für Beschwerdelinderungen und für die Beseitigung bzw. Verbesserung kosmetischer Probleme
  • leicht kombinierbar mit anderen Behandlungsmethoden wie z.B. Laserverfahren oder der Mesotherapie
  • kurze Behandlungszeit von ein bis zwei Stunden
  • kurze Rehabilitationszeit von ein bis zwei Tagen
  • vergleichbar kostengünstig

Die Nachteile der Eigenbluttherapie in der Übersicht

  • möglicherweise Bildung von Blutergüssen und Rötungen durch die Injektionen
  • Wirksamkeit nimmt nach dem 50. Lebensjahr stark
  • zahlreiche Kontraindikationen

Was sind Kontraindikationen bei PRP?

Kontraindikationen bzw. Gegenanzeigen sind medizinische Umstände, die den Einsatz eines bestimmten Verfahrens wie z.B. die Eigenbluttherapie verbietet. Bei PRP sind die folgenden Kontraindikationen zu berücksichtigen:

  • systemische Bluterkrankungen
  • zu stark ausgeprägte Erschlafung (“Ptosis”) der Haut
  • Schwangerschaft
  • Immunstörungen
  • Menstruation
  • psychische Störungen
  • onkologische Probleme
  • pustulöse Hautläsionen

Wieso kommen PRP und Stammzellenbehandlungen häufig gemeinsam zum Einsatz?

PRP ist eine konzentrierte Form von Blutplättchen, die in einen verletzten Bereich injiziert werden kann, um die Heilung zu fördern und Entzündungen zu reduzieren. Stammzellen hingegen sind undifferenzierte Zellen, die verwendet werden können, um beschädigtes Gewebe oder Organe zu ersetzen.

Bei gemeinsamer Anwendung können PRP- und Stammzellbehandlungen eine starke Kombination von heilenden Vorteilen bieten. Die Blutplättchen in PRP stimulieren das Wachstum von neuem Gewebe, während die Stammzellen die Regeneration und Reparatur zusätzlich unterstützen. Das Zusammenspiel hat sich deshalb bei der Behandlung von Erkrankungen wie Arthritis, Sehnenscheidenentzündung, Bänderverletzungen, Muskelrissen und mehr als wirksam erwiesen.

Die Stammzellen werden in der Regel aus dem Fettgewebe des Körpers entnommen. Der fremde Ursprungsort bedeutet kein Problem, da alle Zellen den kompletten Bauplan des menschlichen Körpers tragen.

Ist die Eigenbluttherapie ein sicheres Verfahren?

Die Ursprünge des Verfahrens reichen weit zurück. Es kam erstmals schon in den 1900er Jahren zum Einsatz – und ist damit deutlich über 100 Jahre alt. Der klinische Einsatz ist allerdings deutlich jünger: Er feierte seine Premiere in den 1990er Jahren – und hat damit ebenfalls schon einige Dekaden gesehen. Seit 2005 wird das Plasma im Zusammenspiel mit Stammzellen zum Einsatz gebracht. Das Zusammenspiel hat sich seit damals im Rahmen von einigen klinischen Studien bewiesen.

Insgesamt gilt: Durch diese lange Zeit sammelte die medizinische Forschung ausreichend Erfahrungen, um PRP zu einem sicheren Verfahren zu machen. Zudem ist es inzwischen deutlich günstiger als noch vor einigen Jahren.

Wie läuft eine Eigenblutbehandlung ab?

Patienten durchlaufen zur Vorbereitung eine allgemeine Blutuntersuchung sowie Tests auf Erkrankungen wie HIV und Hepatitis B sowie C. Die Resultate dürfen nicht älter als drei Monate sein. Zurückgerechnet wird vom Behandlungstermin.

Die Patienten sollten zudem etwa ab einer Woche vor dem Eingriff keine gerinnungshemmenden Medikamente mehr einnehmen. Zu verzichten ist zudem für den identischen Zeitraum auf Alkohol, Zigaretten (und sonstige Rauchmittel) sowie fetthaltige Speisen. Gebratene und geräucherte Lebensmittel sollten ebenfalls gemieden werden.

Abschließend: Wann sind die Ergebnisse sichtbar?

40 Prozent der Patienten berichten, sie würden sogar schon unmittelbar nach der Behandlung Effekte sehen. In der Regel dauert es jedoch ein bis zwei Tage. Durch die kumulative (“aufeinanderfolgende”) Wirkung der Eigenbluttherapie verstärkt sich der Effekt in späteren Behandlungen im Vergleich mit der ersten.

Weblinks

Quellen