Rutin

Zuletzt aktualisiert am 6. Februar 2023 von Dr. med. Andrea Weidemann

Die Natur hält viele wirksame Substanzen bereit, die verschiedenste Leiden und Erkrankungen auf natürliche Weise lindern und heilen können. Nicht nur in der traditionellen chinesischen Medizin sondern auch immer mehr in modernen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln kommen pflanzliche Inhaltsstoffe und Wirkstoffe zum Einsatz. Einer dieser Wirkstoffe ist Rutin. Dem natürlichen und von vielen Pflanzen gebildeten Farbstoff werden verschiedene sehr positive Wirkungen auf den menschlichen Organismus zugeschrieben.

Zusammenfassung

  • Rutin ist ein natürliches Flavanoid, das in vielen Pflanzen vorkommt
  • Pflanzen nutzend den Farbstoff zum Schutz vor UV-Strahlung
  • Rutin hat eine starke antioxidative und entzündungshemmende Wirkung
  • Rutin bietet breites Anwendungsspektrum
  • Anwendungsgebiete sind Stoffwechselstörungen, Entzündungen, Infektionen uvm.
  • Rutin kann die Gesundheit von Herz, Gehirn, Blutgefäßen und Haut unterstützen
  • Rutinpräparate gelten als gut verträglich und zeigen nur selten Nebenwirkungen

Was ist Rutin?

Rutin ist ein Flavonoid, ein sekundärer Pflanzenstoff. Es ist ein Farbstoff, der von vielen Pflanzen zum Schutz vor UV-Strahlung gebildet wird. Der blass-gelbe bis leuchtend-gelbe Farbstoff besitzt zudem antioxidative Wirkungen. Wie bei den meisten anderen Flavonoiden konnte diese Wirkung mittlerweile nachgewiesen werden.

Aufgrund dieser Eigenschaften wird Rutin auch den Antioxidantien zugeordnet. Trotz seiner positiven Wirkungen auf den menschlichen Organismen zählt Rutin nicht zu den essenziellen, das heißt lebenswichtigen Mikronährstoffen. Auch ohne Rutin kann der menschliche Organismus existieren.

Aber, Rutin soll zahlreiche positive Wirkungen auf den menschlichen Organismen haben. Es wird häufig bei Kapillarschwäche, Krampfadern, Blutergüssen oder Hämorrhoiden eingesetzt. Auch bei Entzündungen oder zur Senkung des Cholesterinspiegels wird Rutin angewendet. Anderen Namen für Rutin sind Rutosid, Sophorin, Quercetin-3-O-rutinosid oder Pseudovitamin P.

Wie wird Rutin vom Körper verarbeitet? – Der Rutin Metabolismus

Nach einer oralen Einnahme, beispielsweise von Kapseln, Tropfen oder Pulver mit Rutin, wird die Substanz nicht in den Blutkreislauf aufgenommen. Es erfolgt ein teilweiser und langsamer Abbau durch die Darmflora. Die bei dieser Verwertung entstehenden Abbauprodukte werden in den Blutkreislauf aufgenommen und können – anders als Rutin selbst – außerhalb des Darms wirken. Die Verfügbarkeit erreicht etwa 6 bis 9 Stunden nach der Einnahme ihr Maximum.

Während der Verdauung wird Rutin zunächst in der Musosa des Dünndarms festgehalten. An dieser Stelle erfolgt eine Umwandlung in Quercetin-3-glucosid durch die Darmflora. Zum Teil geht das Quercetin-3-glucosid ins Blut über. Zum Teil wird Quercetin-3-glucosid aber auch in den Microsomen der Mucosa und in der Leber zu Quercetin-3-glucuronid umgebaut.

Ein kleiner Teil des oral aufgenommenen Rutins wird im Darm in das sogenannte Ileum (Krummdarm) transportiert. Das Ileum ist ein muskulöses Hohlorgan. Es bildet die letzten 3 Dünndarmabschnitte bildet. Im Ileum wird das restliche Rutin von Eubacterium ramulus Bakterien zu Derivaten der Phenylessigsäure abgebaut.

Nach dem Abbau werden die Reste mit dem Urin ausgeschieden. Als für den Körper bedeutsam gilt ausschließlich die 3,4-Dihydroxyphenylessigsäure (3,4-DHPAA). 3,4-DHPAA soll krebshemmende Eigenschaften haben.

Biosynthese von Rutin

Rutin ist ein in Pflanzen sehr häufig und in großen Mengen vorkommender Schutz vor UV-Strahlen. Pflanzen stellen diese Substanz selbst her. Ein weiterer Vorteil für Pflanzen ist die wenn auch nur schwache antimikrobielle Wirkung von Rutin.

Die Substanz wird nur in den oberirdischen Teilen der Pflanzen gefunden. Als sogenanntes Flavanoid wird es im Phenylpropanstoffwechsel und dem Polyketidstoffwechsel der Pflanzen gebildet. Etwas genauer beschrieben wird das im Flavonoidstoffwechsel gebildete Flavonol mit Namen Naringenin zunächst zu Flavononol hydriert.

Flavononol wird in einem weiteren Schritt zu Dihydroquercetin hydroxyliert in einem letzten Synthesschritt würde dieses Dihydroquercetin zu Quercetin dehydriert, welches zum Abschluss der Umwandlung noch glykulisiert wird.

Welche Lebensmittel enthalten natürliches Rutin?

Es gibt zahlreiche Lebensmittel, die natürliches Rutin enthalten. Pflanzen, die in der Trockenmasse einen außergewöhnlich hohen Rutin-Gehalt liefern, sind

  • Wildes Stiefmütterchen – ca. 25 % in der Blüte
  • Japanischer Schnurbaum – ca. 15 bis 20 % in der Blüte / Blütenknospen
  • Echter Buchweizen – ca. 2 bis 8 % Blätter und 4 bis 12 % in der Blüte
  • Weiße Maulbeere – ca. 6 % in den Blättern
  • Kanadischer Holunder – ca. 3,5 % in den Blättern
  • Petersilie – ca. 3 % in den Blättern
  • Wasserpfeffer – ca. 3 % in den Blättern

Rund 0,27 % Rutin sind verschiedenen Untersuchungen zufolge auch in gebrauchsfertig verarbeiteten Buchweizenmehl enthalten.

Weitere Lebensmitteln, in denen Rutin in nennenswerten Mengen enthalten ist, sind:

  • Aprikosen
  • Kirschen
  • Weintrauben
  • Grapefruits
  • Pflaumen
  • Orangen
  • Feigen
  • Ginkgo biloba
  • Kapern
  • Oliven
  • Grüner Tee

Warum Äpfel täglich auf dem Speiseplan stehen sollten

Rutin gehört zu einer Gruppe von Bausteinen mit ähnlicher Struktur, die in Pflanzen Quercetin bilden. Dieses Quercetin findet sich unter anderem in den Schalen vieler Gemüse- und Obstsorten. Etwa die Zwiebeln oder alten Apfelsorten.

Bei neueren Apfelzüchtungen ist der Gehalt oft deutlich reduziert. Der hohe Quercetingehalt ist der Grund dafür, dass ungespritzte Äpfel besser mit der Schale gegessen werden sollten. So wird der wichtige Pflanzenstoff ganz natürlich in hoher Menge aufgenommen.

Woher stammt das Rutin in Nahrungsergänzungsmitteln?

Da die Produktion von Rutin in Deutschland und in Europa mittlerweile sehr kostspielig geworden ist, wird das reine Präparat heute hauptsächlich aus Brasilien und in noch größeren Mengen aus China importiert. Rutin wird in China heute fast ausnahmslos aus Buchweizen gewonnen.

Bis vor wenigen Jahren war auch die Gewinnung aus dem japanischen Schnurbaum (Sophora japonica) üblich. Bei der Produktion wird die Substanz mithilfe von 70- bis 85-prozentigen Isopropanol, einem Alkohol, extrahiert. Die Lösung wird anschließend von Fett befreit und in einem weiteren Verfahren kristallisiert.

Welche Wirkungen hat Rutin?

Die antioxidative und die antientzündliche Wirkung sind wohl die wichtigsten Wirkungen von Rutin im Körper. Insbesondere in Kombination mit Vitamin C kann Rutin dazu beitragen, die Körperzellen gesund zu erhalten. Aufgrund dieser Eigenschaften sind die Wirkungen und Anwendungsgebiete von Rutin weit gefächert. Möglich sind:

  • Entzündungshemmende Wirkung
  • Schutz vor Gewebeschäden
  • Linderung von Stoffwechselstörungen
  • Wirkt gegen Bakterien, Pilze und Viren
  • Blutverdünnende Wirkung
  • Reduzierung von Bluthochdruck
  • Entgiftung von Quecksilber
  • Eindämmung von Nervenschädigungen
  • Vorbeugung von Krebserkrankungen

Entzündungshemmende Wirkung

Entzündungen haben im Körper verschiedene negative Auswirkungen. Sie führen zu oxidativen Stress durch sogenannte freie Radikale und verursachen Gewebeschäden. Rutin kann diese Entzündungen lindern. Es heißt, dass Rutin auch eine gute Wirkung bei durch Allergien hervorgerufene Entzündungen haben kann. Auch die Folgen von Arteriosklerose soll durch diese Substanz reduziert werden können.

Schutz vor Gewebeschäden

Rutin kann Gewebe abbauende Enzyme hemmen, die bei verschiedenen Erkrankungen das Gewebe schädigen können. Auch die Alterung von elastischem Gewebe soll Rutin hinauszögern können. Gleichzeitig fördert Rutin den Aufbau von Kollagen in der Haut. Und es sorgt nicht zuletzt für eine höhere Widerstandsfähigkeit kleinster Blutgefäße.

Linderung von Stoffwechselstörungen

Rutin soll die Blutfettwerte und die Blutzuckerwerte verbessern können. Mögliche Schäden durch einen zu hohen Blutzucker, einen zu hohen Cholesterinspiegel oder einen Sauerstoffmangel sollen durch die Einnahme von Rutin reduziert oder ganz vermieden werden.

Wirkt gegen Bakterien, Pilze und Viren

In verschiedenen Experimenten konnte nachgewiesen werden, dass Rutin gegen bestimmte Bakterienstämme, Pilze und auch verschiedene Viren eine gewisse Wirkung zeigt. Infektionen verlaufen weniger ausgeprägt und klingen schneller ab.

Blutverdünnende Wirkung

Die Blutverdünnung ist eine der wichtigsten Wirkungen von Rutin. Verantwortlich hierfür ist, dass Rutin die Blutgerinnung oder Blutblättchenaggregation deutlich senkt. In Tierversuchen konnte nachgewiesen werden, dass Rutin Blutgerinnsel und damit eine lebensbedrohliche Gefäßverstopfung durch Blutgerinnsel (Thrombosen) verhindern kann.

Reduzierung von Bluthochdruck

In Tierversuchen konnte nachgewiesen werden, das durch die Gabe von Rutin ein erhöhter Blutdruck sowie eine erhöhte Herzfrequenz gesenkt werden kann. Nachgewiesen wurde, dass Rutin die körpereigene Produktion von Stickstoffmonoxid anregen kann. Stickstoffmonoxid trägt zur Entspannung der Blutgefäße bei, sodass der Blutdruck insgesamt sinkt.

Entgiftung von Quecksilber

Rutin, das heißt Quercetin ist in der Lage Quecksilber zu binden und dieses giftige Schwermetall aus dem Körper auszuschleusen. Es ist noch nicht bewiesen, aber Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Wirkung auch bei anderen Schwermetallen erzielt werden kann.

Eindämmung von Nervenschädigungen

Rutine soll in der Lage sein, die Schädigung von Nerven beispielsweise durch Sauerstoffmangel oder bestimmte Erkrankungen wie Alzheimer zumindest zu verlangsamen. Rutine schützt auf diese Weise das Gehirn, die Nerven allgemein und die Augen.

Vorbeugung von Krebserkrankungen

Mittlerweile ist bekannt, dass bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe wie Rutin Krebserkrankungen vorbeugen können. Dieser Schutz funktioniert durch das Eliminieren freier Radikaler, die die Erbinformationen verändern und so Krebserkrankungen auslösen können. Zudem ist bekannt, das Rutin in der Lage ist, die Zellteilungsrate verschiedener Krebszellen zu verlangsamen. Noch nicht gesichert ist, ob Rutin die Wirkung bestimmter Krebsmedikamente positiv beeinflussen und verstärken kann.

Welche möglichen Nebenwirkungen hat Rutin?

Rutin gilt im Allgemeinen als sicher und weitestgehend frei von Nebenwirkungen. Um auf der sicheren Seite zu bleiben, solltet jedoch nicht mehr Rutin eingenommen werden als in den Lebensmitteln enthalten ist, die als gute Rutinquelle gelten. Beispielsweise Zitrusfrüchte, Äpfel oder Zwiebeln. Bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Rutin kann es jedoch vereinzelt zu Nebenwirkungen kommen. Welche Art von Nebenwirkungen auftritt, ist von den individuellen Voraussetzungen der Anwenderinnen und Anwender abhängig. Mögliche Nebenwirkungen, die nach der Einnahme von Rutin in Form eines Nahrungsergänzungsmittels auftreten können, sind:

  • Kopfschmerzen
  • Hautausschläge
  • Muskelverspannungen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Leukozytose – überhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen
  • Sehstörungen
  • Flüssigkeitsansammlungen in den Knien
  • Magenbeschwerden / Übelkeit

Diese Nebenwirkungen sollten rasch abklingen, wenn das Rutin Nahrungsergänzungsmittel abgesetzt wird. Sollten die Nebenwirkungen länger anhalten, ist eine Rücksprache mit einem Arzt empfehlenswert.

Eignet sich Rutin für die Anwendung in der Schwangerschaft / Stillzeit?

Es gibt nicht genügend Daten über die Sicherheit von Rutin bei schwangeren oder stillenden Frauen. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte daher auf die Einnahme von rutinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln aus Sicherheitsgründen ohne Rücksprache mit einem Arzt verzichtet werden.

Eignet sich Rutin für die Anwendung bei Kindern?

Kindern sollte kein Rutin in Form eines Nahrungsergänzungsmittels ohne vorherige Rücksprache mit einem Arzt gegeben werden. Auch für diesen Anwendungsfall gibt es bisher noch keine ausreichenden Daten über die Sicherheit dieser Präparate. Es sollte unbedingt vorher mit einem Arzt gesprochen werden. Nur ein Arzt kann feststellen, ob die Einnahme sicher ist oder nicht. Ein Arzt kann auch eine Dosierung empfehlen.

Sprechen Sie vor der Einnahme von Rutin-Ergänzungsmitteln mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn Sie:

  • an einer Herzerkrankung leiden oder bereist einmal ein Blutgerinnsel hatten
  • blutverdünnende Medikamente einnehmen
  • an Diabetes leiden und blutzuckersenkende Medikamente einnehmen
  • an einer chronischen Erkrankung leiden oder Medikamente einnehmen müssen

Dosierung von Rutin

Es liegen nicht genügend wissenschaftliche Daten vor, um eine exakte Rutin-Dosis festzulegen. Die Tagesdosis ist von verschiedenen Faktoren wie dem Alter, dem Körpergewicht oder der allgemeinen Verfassung ab. Die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln mit Rutin müssen jedoch Dosierungsempfehlungen aussprechen.

Die meisten Präparate diese Art enthalten zurzeit etwa 500 mg des Flavonoids pro Portion. Die Empfehlungen der Hersteller reichen von etwa 500 mg bis zu insgesamt 4 g Rutin über den Tag verteilt einzunehmen. Lesen Sie daher vor der Einnahme unbedingt die Packungsbeilage. Zudem ist eine Rücksprache mit ihrem Arzt empfehlenswert, bevor Sie Rutinpräparate zum ersten Mal einnehmen.

Rutin Nahrungsergänzungsmittel gelten allgemein als sicher, wenn sie in Dosen von bis zu 600 mg täglich über einen Zeitraum von bis zu 12 Wochen eingenommen werden. Rutin ist in der Regel gut verträglich.

Wechselwirkungen von Rutin mit anderen Medikamenten

Rutin sollte nicht eingenommen werden, wenn vom Arzt gleichzeitig ein Blutverdünner verschrieben wurde. Rutin kann die blutverdünnende Wirkung von Medikamenten verringern.

Da Rutin auch den Blutzucker senken kann, sollte es bei gleichzeitiger Einnahmen von blutzuckersenkenden Medikamenten nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden. Die Einnahme von Rutin-Nahrungsergänzungsmittel zusammen mit blutzuckersenkenden Medikamenten kann dazu führen, dass der Blutzuckerspiegel zu stark absinkt. Dies kann zu einer lebensbedrohlichen Hypoglykämie (Unterzuckerung) führen.

Immer mehr gesundheitsbewusste Menschen nutzend Nahrungsergänzungsmittel mit Rutin zur Behandlung und Vorbeugung verschiedener Erkrankungen. Hoch dosierte Rutinpräparate können bei verschiedenen Indikationen wie beispielsweise Diabetes, einem hohen Blutdruck oder verschiedenen entzündlichen Reaktionen mit gutem Erfolg angewendet werden.

Wichtig ist, dass die Präparate entsprechend den Vorschriften des Herstellers oder den Vorgaben des behandelnden Arztes eingenommen werden. Dann ist nur in seltenen Fällen mit Nebenwirkungen zu rechnen. Nach dem Absetzen des Präparates hörten die Nebenwirkungen im Allgemeinen schnell wieder.

Quellen

Weiterführende Informationen