Mammographie-Screening: Mehr Schaden als Nutzen?

Zuletzt aktualisiert am 6. Februar 2023 von Dr. med. Andrea Weidemann

  • Mammographien werden entweder bei konkreten Verdachtsfällen, bei Risikopatienten oder im Rahmen des Mammographie-Screening-Programms zur Früherkennung von Brustkrebs durchgeführt.
  • Alternativen zur Mammographie sind Sonographie, MRT-Mammographie, CT-Mammographie, PET-Scan-Mammographie und DBT (digitale Brust-Tomosynthese).
  • Beim Mammographie-Screening-Programm werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren schriftlich zu einer Brustkrebs-Vorsorge-Untersuchung eingeladen, da Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland ist.
  • Aufgrund der Häufigkeit von Brustkrebs bringt die Untersuchung in dieser Altersgruppe mehr Nutzen als Risiko. Selbstverständlich gibt es wie bei den meisten medizinischen Behandlungen und Untersuchungsmethoden Spätfolgen und Risiken, die vor allem in Form der über die Jahre kumulierten Strahlenbelastung sowie eventuell falsch positiver Krebsdiagnosen auftreten. Eine regelmäßige Evaluierung des Screening-Programms ist sicherlich angebracht, da eine eventuelle Übertherapie bereits mehrfach Kritik eingebracht hat.
  • Am Tag der Untersuchung sollten weder Deodorants noch Cremes oder Lotion am Oberkörper verwendet werden. Schmuck und Piercings müssen ebenfalls entfernt werden.
  • Hat ein Befund eine unklare Diagnose oder eine Krebserkrankung bestätigt, werden mit dem behandelnden Facharzt zusätzliche Diagnosemöglichkeiten wie weitere bildgebende Verfahren, Gewebeentnahmen oder Therapien besprochen.

Was ist eine Mammographie?

Eine Mammographie ist ein radiologisches, bildgebendes Verfahren, das der Früherkennung beziehungsweise die Diagnostik von Brustkrebs dient. Mithilfe von elektromagnetischen Wellen wird ein Bild erzeugt, da die Strahlen beim Durchgang durch das Gewebe unterschiedlich stark abgeschwächt werden. Wie bei einem Ultraschall-Bild wird das Fettgewebe dunkel dargestellt und Tumore weiß.

Alternativen zu diesem radiologischen Bildgebungsverfahren

Alternativen zur Mammographie sind die Sonographie, die MRT-Mammographie, die CT-Mammographie, die PET-Scan-Mammographie sowie die digitale Brust-Tomosynthese (DBT), bei der eine neuartige 3D-Technologie eingesetzt wird.

Meist wird im Rahmen des Vorsorgeprogramms ergänzend eine Sonographie (Ultraschall-Untersuchung) durchgeführt. Diese Untersuchungsmethode verwendet keine Röntgenstrahlen, sondern stattdessen Schallwellen, die vom Gewebe reflektiert werden. Das Bild, das dabei entsteht, zeigt fast weißes Drüsen- und Bindegewebe, Fettgewebe wird sehr dunkel dargestellt. Für das Erkennen von Verkalkungen und minimalen Tumoren eignet sich diese Methode jedoch nicht.

Die MRT-Mammographie (Magnet-Resonanz-Tomographie-Mammographie) wird vor allem zur Abklärung von bereits erkannten Tumoren anhand der üblichen Mammographie verwendet. Mithilfe eines Kontrastmittels können bösartige Tumorzellen optisch erkannt werden – allerdings ist diese Methode nicht immer zuverlässig, da auch gutartige Tumoren das Kontrastmittel in sich aufnehmen können und damit Malignität falsch positiv anzeigen.

Das Mammographie-Screening-Programm

Da Brustkrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung von Frauen ist, hat die Früherkennung einen hohen Stellenwert. Nur bei einer Diagnose in einem sehr frühen Stadium sind Lymphknoten noch nicht befallen und die Heilungschancen optimal. Daher wurde ein Mammographie-Screening-Programm entwickelt, zu dem Frauen zwischen 50 und 69 schriftlich zu einer Vorsorge-Untersuchung eingeladen werden. Die Einladung zum Mammographie-Screening wird alle zwei Jahre an die betreffenden Frauen verschickt, die freiwillig an dieser Vorsorge-Untersuchung teilnehmen können.

Vor allem bei der frühzeitigen Entdeckung des duktalen Carcinoma in situ (DCIS) führt die Mammographie-Untersuchung zu guten Erfolgen, da es üblicherweise bei einem Drittel bis zur Hälfte der Fälle mit dieser Krebsvorstufe zur Bildung eines malignen Tumors kommt.

Da das systematische Mammographie-Screening immer wieder in der Kritik steht, zu Übertherapien zu führen, wird jeder Befund von zwei Fachärzten angesehen und befundet. Dadurch soll eine übermäßige Belastung der Patienten sowie übermäßig Kosten für das Gesundheitssystem durch falsch positive Diagnosen möglichst verhindert werden. Weiters werden in den zertifizierten Zentren nur speziell geschulte Mitarbeiter an regelmäßig kontrollierten Geräten eingesetzt, um die bestmögliche Untersuchungs-Qualität zu gewährleisten.

Ab wann eine Mammographie-Untersuchung sinnvoll ist

Beim Auftreten von Veränderungen der Brust (beispielsweise in Form von Knötchen) sollte sofort ein Facharzt aufgesucht werden. Wird vom Arzt eine Überweisung an einen Radiologen ausgestellt, wird diese diagnostische Untersuchung ebenfalls von der Krankenkasse übernommen.

Eine regelmäßige Vorsorge-Mammographie kann alle zwei Jahre im Rahmen des deutschen Mammographie-Screening-Programms von Frauen zwischen 50 und 69 Jahren in Anspruch genommen werden. In diesen Jahren tritt Brustkrebs besonders häufig auf, daher wird die Untersuchung ausdrücklich zur Vorsorge empfohlen, auch weil Symptome erst in sehr fortgeschrittenem Stadium auftauchen. Für jüngere Frauen ab 30 Jahren ist lediglich eine jährliche Tastuntersuchung durch einen Facharzt als Vorsorge von Brustkrebs vorgesehen.

Selbstverständlich haben auch Risiko-Patienten mit einer Brustkrebs-Vorgeschichte in der Familie oder der Feststellung von Brustkrebs-Risiko-Genen bei einer Untersuchung des Erbguts einen Anspruch auf entsprechende Brustkrebs-Vorsorge-Untersuchungen.

Neben einer familiären beziehungsweise genetischen Vorbelastung gibt es weitere Risikofaktoren für eine Erkrankung an Brustkrebs. Dazu gehören zum Beispiel ein starker Konsum von Alkohol, Übergewicht nach den Wechseljahren sowie die langjährige Einnahme von bestimmten Hormonpräparaten während der Wechseljahre. Das Brustkrebsrisiko kann allerdings auch eigenständig verringert werden, indem man regelmäßig Sport treibt, auf gesunde Ernährung achtet sowie Übergewicht vermeidet, da vor allem viszerales Fett hormonell aktiv ist.

Das Mammographie-Sreening-Programm schließt automatisch nur Frauen bis zu einem Alter von 69 Jahren mit ein. Daher muss der Arzt bei Frauen ab 70 Jahren den individuellen Gesundheitszustand sowie das Risiko für Brustkrebs und die Lebenserwartung bei der Entscheidung, ob eine Vorsorge-Untersuchung sinnvoll ist, berücksichtigen.

Mammographie-Standorte in Deutschland

Im Rahmen des Mammographie-Screening-Programms werden die Untersuchungen in mehrfach kontrollierten Screening-Einheiten durchgeführt. Diese Zentren beschäftigen speziell geschulte Fachkräfte und haben sich auf die Früherkennung von Brustkrebs spezialisiert.

In der Einladung zur zweijährlichen Mammographie-Vorsorge-Untersuchung wird nicht nur ein Termin vorgeschlagen, sondern auch der Standort des nächstgelegenen, zertifizierten Zentrums des Mammographie-Screening-Programms samt weiterer Kontaktdaten bekanntgegeben. Auch über die Website https://www.mammo-programm.de/termin/ kann anhand einer Postleitzahlen-Suche ein Termin im gewünschten Zentrum vereinbart werden. Eine Liste der Screening-Einheiten ist dort ebenfalls abrufbar.

Der optimale Zeitpunkt

Für eine Mammographie vor der Menopause ist der optimale Zeitpunkt während der ersten zehn Tage des Zyklus, da hier das Brustgewebe aufgrund des geringen Wassergehaltes besonders weich ist und sich besonders gut für diese Untersuchung eignet. Neben der besseren Beurteilung des Gewebes ist die Brust in diesem Zeitraum zudem weniger schmerzempfindlich. Nach den Wechseljahren spielt der genaue Zeitpunkt für die Mammographie keine Rolle mehr.

Wie bereite ich mich auf eine Mammographie vor?

Da für die Untersuchung der Oberkörper frei sein muss, ist es ratsam, ein Oberteil anzuziehen, das man leicht ablegen kann. Auch Schmuck und Piercings müssen entfernt werden – es ist daher sinnvoll, die Schmuckstücke daheim zu lassen, sodass nichts davon verloren gehen kann. Außerdem muss am Untersuchungstag auf Deodorant, Lotion oder Cremes auf Achseln und Oberkörper der Bildqualität zuliebe verzichtet werden.

Ist eine Mammographie schmerzhaft?

Schmerzen können bei einer Mammographie durchaus auftreten. Allerdings nicht durch die verwendete Röntgenstrahlung, sondern weil die nackte Brust für die optimalen Bilder in Halterungen (meist aus Plexiglas) des Röntgengeräts möglichst flach aufliegen soll und daher zusammengedrückt wird. So ist nur eine geringe Strahlendosis notwendig und das Bild wird dadurch zudem aussagekräftiger.

Ob dabei Schmerzen auftreten, ist von Frau zu Frau unterschiedlich und hängt vor allem von der individuellen Schmerzempfindlichkeit ab. Außerdem spielt auch der aktuelle Zeitpunkt im Zyklus eine Rolle bei der Schmerzhaftigkeit dieser Untersuchung. Der Schmerz durch das Einklemmen der Brust in die Halterung des Röntgengeräts dauert allerdings nur kurz an, da die notwendigen Bilder innerhalb weniger Sekunden gemacht werden können.

Die Dauer der Untersuchung

Nach dem Entkleiden des Oberkörpers und dem Entfernen von Schmuck und Piercings wird jede einzelne Brust in die Halterungen des Röntgengeräts eingeklemmt, üblicherweise werden dann von jeder Brust zwei Bilder auf unterschiedlichen Ebenen gemacht. Diese Vorbereitung kann wenige Minuten dauern, wobei man für das Röntgenbild selbst nur wenige Sekunden in dieser meist etwas unangenehmen Haltung verbleiben muss.

Was sollte man nach einer Mammographie beachten?

Nach der Mammographie heißt es vor allem, die Nerven zu bewahren. Während der Wartezeit auf den Befund sollte man sich mit keinesfalls mit Vermutungen und kreisenden Gedanken um das Ergebnis quälen, sondern sich mit positiven Dingen ablenken.

Da die Röntgenbilder langjährige Expertise der Fachärzte für eine korrekte Beurteilung erfordern und zur Absicherung der Diagnose immer auch von einem zweiten oder sogar noch einem dritten Radiologen beurteilt werden, benötigt die Erstellung des Befundes einfach eine gewisse Zeit. Zugunsten einer höheren Sicherheit nimmt man eine längere Wartezeit jedoch meist gerne in Kauf. Üblicherweise wird die Diagnose jedoch innerhalb einer Woche per Post versandt. Auch eventuelle Verzögerungen bedeuten aber keinesfalls schlechte Nachrichten.

Spätfolgen einer Mammographie

Dass durch die Bestrahlung mit Röntgenstrahlen selbst Krebs entstehen kann, ist wissenschaftlich erwiesen. Das Risiko für solche strahleninduzierte Tumoren ist umso höher, je jünger die Personen bei den radiologischen Untersuchungen sind. Auch aus diesem Grund wurde das Mindestalter für das Mammographie-Sreening-Programm mit 50 Jahren festgelegt. Hier scheint das optimale Alter für die Nutzen-Risiko-Abwägungen zu liegen. In Österreich wird bereits ab einem Alter von 40 Jahren zur zweijährlichen Mammographie-Vorsorge-Untersuchung geraten. Selbstverständlich wird wie bei jeder radiologischen Untersuchung auch hier die Strahlendosis so gering wie möglich gehalten.

Weitere Risiken von Mammographien

Neben der Bestrahlung und daraus eventuell entstehenden Tumoren ist als weiteres Risiko eine mögliche falsch positive Brustkrebs-Diagnose zu nennen. Neben der psychischen Belastung einer (falschen) Krebsdiagnose kommt es bei Inanspruchnahme einer Chemotherapie aufgrund einer falsch gestellten Diagnose zu erheblichen gesundheitlichen Schäden aufgrund der starken Nebenwirkungen solcher Medikamente. Nicht weniger belastend sind durchgeführte Operationen oder Strahlentherapie für die Betroffenen. Aus diesem Grund ist eine regelmäßige Evaluierung des Screening-Programms sicherlich angebracht.

Wie sieht Brustkrebs in der Mammographie aus?

In einer Mammographie lassen sich Kalkablagerungen in Form von weißen Flecken erkennen. Ebenfalls heller dargestellt werden Krebstumore aufgrund ihrer hohen Dichte, aber auch solide, gutartige Tumore wie Fibroadenome. Flüssigkeitsgefüllte Zysten können als unregelmäßige Schatten erkennbar sein. Ist der verdächtige Bereich genau begrenzt, handelt es sich meistens um gutartige Läsionen. Bei undefinierten Rändern kann jedoch eine bösartige Läsion vorliegen.

Aufgrund der extremen Genauigkeit der heutigen Untersuchungsmethoden können selbst winzige Tumore bildlich dargestellt werden. Immer wieder werden aber solche kleinen Tumore vom Immunsystem selbst erfolgreich bekämpft, sodass keine weitere Behandlung notwendig wäre. Einerseits durch diese Genauigkeit der Geräte, andererseits durch nicht immer eindeutig erkennbare Gut- oder Bösartigkeit der in der Mammographie sichtbaren Läsionen kann es zu Fehldiagnosen kommen.

Im Einzelfall muss aber ein langjährig ausgebildeter Facharzt mit entsprechender Erfahrung entscheiden, ob eine Biopsie zum Ausschluss von Malignität erfolgen soll oder weitere bildgebende Verfahren nötig sind. Aufgrund von Gewebeproben kann ein histologisch ausgebildeter Arzt unter dem Mikroskop häufig besser erkennen, ob es sich dabei um einen gutartigen oder bösartigen Tumor handelt, bevor weitere Schritte unternommen werden.

Weiterführende Informationen

 

1 Gedanke zu „Mammographie-Screening: Mehr Schaden als Nutzen?“

  1. Ein großer Nachteil der Mammografie ist das Risiko falscher positiver Testergebnisse, die zu unnötigen Angstzuständen und weiteren Tests führen können. Ein weiteres Risiko ist wie ja auch geschrieben das Strahlenrisiko, da die Strahlung, die bei einer Mammografie angewandt wird, als krebserzeugend gilt. Es ist auch bekannt, dass Mammographien besonders für jüngere Frauen mit dichten Brüsten ungenau sein können. Unterm Strich würde ich insbesondere jüngeren Frauen stark von einer Mammografie abraten.

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